Lab Grown Diamonds

Diamanten aus dem Labor statt aus der Mine

Diamanten faszinieren seit Jahrhunderten. Ihr Glanz, ihre außergewöhnliche Härte und ihre Seltenheit haben sie zu einem der bekanntesten Symbole für Wert und Beständigkeit gemacht. Doch inzwischen muss ein Diamant nicht mehr zwangsläufig tief aus dem Erdinneren stammen. Mit sogenannten Lab Grown Diamonds, also im Labor gewachsenen Diamanten, gibt es eine Alternative, die chemisch und physikalisch sehr nah an ihrem natürlichen Gegenstück liegt.

Dabei handelt es sich keineswegs um einfache Imitationen. Ein Lab Grown Diamond ist ein echter Diamant. Der entscheidende Unterschied liegt in seiner Entstehung. Während natürliche Diamanten über lange geologische Zeiträume unter hohem Druck und hoher Temperatur im Erdinneren entstehen, wird der Wachstumsprozess bei einem Labordiamanten technisch kontrolliert nachgebildet. Genau diese Tatsache macht das Thema für Schmuckkäufer interessant – und sorgt gleichzeitig für einige Missverständnisse.

Was ist ein Lab Grown Diamond genau?

Ein im Labor gewachsener Diamant besteht wie ein natürlicher Diamant aus kristallinem Kohlenstoff. Auch Härte, Lichtbrechung und zahlreiche andere physikalische Eigenschaften sind vergleichbar. Deshalb ist es fachlich nicht korrekt, Lab Grown Diamonds einfach mit Schmucksteinen wie Zirkonia gleichzusetzen. Zirkonia oder bestimmte andere Diamant-Imitate sehen einem Diamanten zwar ähnlich, bestehen aber aus einem anderen Material.

Bei einem Lab Grown Diamond wird dagegen tatsächlich Diamantmaterial erzeugt. Die Unterschiede zur Natur liegen vor allem in den Wachstumsbedingungen und den dabei entstehenden charakteristischen Merkmalen. Moderne gemmologische Labore können diese Merkmale mit speziellen Analyseverfahren feststellen. Mit bloßem Auge ist die Herkunft eines gut geschliffenen Steins dagegen häufig nicht zu erkennen.

Wie werden Labordiamanten hergestellt?

Für die Herstellung haben sich vor allem zwei Verfahren etabliert: HPHT und CVD.

HPHT steht für „High Pressure, High Temperature“. Bei diesem Verfahren werden Bedingungen geschaffen, die den natürlichen Entstehungsbedingungen eines Diamanten ähneln. Kohlenstoff wird dabei unter extrem hohem Druck und sehr hohen Temperaturen zum Kristallwachstum gebracht. Als Ausgangspunkt dient ein kleiner Diamantkeim, an dem sich weiteres Kohlenstoffmaterial anlagert.

Das zweite Verfahren heißt CVD, also „Chemical Vapor Deposition“. Hier wächst der Diamant in einer speziellen Vakuumkammer. Kohlenstoffhaltige Gase, häufig Methan, werden durch Energiezufuhr aktiviert. Kohlenstoff lagert sich anschließend Schicht für Schicht auf einem Diamantkeim ab.

Gerade die CVD-Technologie hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Die heute produzierten Kristalle können deutlich größer und qualitativ hochwertiger sein als frühere Erzeugnisse. Nach Angaben des Gemological Institute of America werden inzwischen viele der dort untersuchten Labordiamanten mit dem CVD-Verfahren hergestellt. Ein erheblicher Teil dieser Steine wird anschließend noch behandelt, um beispielsweise die Farbe zu verbessern.

Sehen Lab Grown Diamonds anders aus?

Für den Käufer ist genau das einer der interessanten Punkte: Ein hochwertiger Lab Grown Diamond kann optisch wie ein natürlicher Diamant aussehen. Brillanz, Feuer und Lichtreflexion hängen schließlich in erster Linie von den Eigenschaften des Steins und seinem Schliff ab.

Die Unterschiede liegen häufig dort, wo man sie ohne entsprechende Geräte nicht sehen kann. Während des künstlich kontrollierten Wachstums entstehen bestimmte Strukturen und Einschlüsse, die Rückschlüsse auf das Herstellungsverfahren erlauben. Bei HPHT- und CVD-Diamanten lassen sich beispielsweise unterschiedliche Wachstumsmerkmale feststellen.

Deshalb sollte man sich beim Kauf nicht allein auf den optischen Eindruck verlassen. Wer sicher wissen möchte, ob ein Stein natürlich oder im Labor gewachsen ist, sollte auf einen entsprechenden Prüf- beziehungsweise Gradingbericht eines anerkannten gemmologischen Labors achten.

Warum sind Lab Grown Diamonds häufig günstiger?

Der Preis ist für viele Interessenten der entscheidende Grund, sich mit Labordiamanten zu beschäftigen. Natürliche Diamanten sind das Ergebnis eines sehr langen geologischen Prozesses. Hinzu kommen die Kosten für Exploration, Abbau, Sortierung, Verarbeitung und den Handel mit Rohdiamanten.

Bei einem Lab Grown Diamond wird dagegen ein technischer Produktionsprozess eingesetzt. Größe, Farbe und Qualität lassen sich innerhalb bestimmter Grenzen gezielt beeinflussen. Das ermöglicht eine wesentlich planbarere Herstellung und verändert damit auch die Preisstruktur.

Allerdings sollte man beim Preisvergleich genau hinsehen. Nicht jeder Diamant mit der Bezeichnung „Lab Grown“ ist automatisch gleichwertig. Schliff, Farbe, Reinheit, Karatgewicht und die Qualität des einzelnen Steins spielen weiterhin eine wichtige Rolle. Auch ein Laborbericht kann einen Unterschied machen, weil er die Eigenschaften und Herkunft des Steins dokumentiert.

Ist ein Lab Grown Diamond ein echter Diamant?

Ja. Genau hier liegt ein wichtiger Unterschied zu Diamant-Imitaten. Ein Lab Grown Diamond besitzt im Wesentlichen die gleichen chemischen und physikalischen Eigenschaften wie ein natürlicher Diamant. Die Bezeichnung „laboratory-grown“ beschreibt die Herkunft und nicht ein minderwertiges Ersatzmaterial.

Trotzdem sollte die Herkunft beim Verkauf eindeutig angegeben werden. Die US-amerikanische Federal Trade Commission verlangt beispielsweise eine klare Kennzeichnung, wenn es sich um einen im Labor hergestellten und nicht um einen abgebauten Diamanten handelt. Begriffe wie „laboratory-grown“ oder „laboratory-created“ sollen unmittelbar und verständlich darauf hinweisen, dass der Stein nicht aus einem Bergwerk stammt.

Lab Grown oder natürlicher Diamant – welcher ist die bessere Wahl?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es darauf nicht. Wer vor allem Wert auf die natürliche Entstehung, geologische Geschichte und traditionelle Bedeutung eines Diamanten legt, wird vermutlich weiterhin einen natürlichen Stein bevorzugen.

Für andere Käufer steht dagegen das Verhältnis von Größe, Qualität und Preis im Vordergrund. Ein Lab Grown Diamond kann dann interessant sein, weil bei einem bestimmten Budget beispielsweise ein größerer oder qualitativ höher eingestufter Stein möglich wird.

Auch die persönliche Bedeutung spielt eine Rolle. Bei einem Verlobungsring oder einem Schmuckstück, das über viele Jahre getragen werden soll, geht es schließlich nicht ausschließlich um Materialwerte. Manche Menschen verbinden gerade die natürliche Entstehung eines Diamanten mit der Symbolik ihres Schmuckstücks. Andere finden den Gedanken attraktiv, dass der Stein technisch hergestellt wurde und nicht aus einem Bergwerk stammt.

Worauf sollte man beim Kauf achten?

Wer einen Lab Grown Diamond kaufen möchte, sollte zunächst darauf achten, dass die Herkunft eindeutig angegeben ist. Eine seriöse Beschreibung sollte klar erkennen lassen, dass es sich um einen im Labor gewachsenen Diamanten handelt.

Danach lohnt sich der Blick auf die klassischen Qualitätsmerkmale. Der Schliff beeinflusst maßgeblich, wie lebendig ein Diamant wirkt. Farbe und Reinheit bestimmen ebenfalls die Optik und den Preis. Das Karatgewicht beschreibt dagegen lediglich das Gewicht des Steins und sagt allein noch nichts darüber aus, wie hochwertig er wirkt.

Besonders bei höherpreisigen Schmuckstücken ist ein unabhängiger Gradingbericht sinnvoll. Er dokumentiert die wesentlichen Eigenschaften des Diamanten und hilft dabei, Angebote besser miteinander zu vergleichen. Gerade weil Labordiamanten und natürliche Diamanten mit bloßem Auge häufig kaum voneinander zu unterscheiden sind, bietet eine professionelle Prüfung zusätzliche Sicherheit.

Eine Technologie, die den Diamantenmarkt verändert

Lab Grown Diamonds sind längst kein Nischenprodukt mehr. Die technische Entwicklung hat dazu geführt, dass heute deutlich größere und qualitativ hochwertige Steine hergestellt werden können als noch vor einigen Jahren. GIA beschreibt sowohl bei der Größe als auch bei der Qualität eine deutliche Entwicklung und beobachtet eine zunehmende Bedeutung von CVD-Diamanten im Markt.

Damit verändern Labordiamanten auch die Art und Weise, wie Käufer über Diamanten nachdenken. Nicht mehr nur die Frage „Wie groß ist der Stein?“ spielt eine Rolle. Auch seine Entstehung, die Herstellungsweise, die Dokumentation und der Preis werden zunehmend Teil der Kaufentscheidung.

Wer sich für einen Lab Grown Diamond entscheidet, kauft also keineswegs einfach eine Kopie eines natürlichen Diamanten. Er entscheidet sich für einen Diamanten mit einer anderen Entstehungsgeschichte. Und genau darin liegt der wesentliche Unterschied.